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Challenge League 2019/2020
Do 30.07.20, 20:30 Uhr | Brügglifeld, Aarau

2 : 2
(1:0)

DER STROHHALM

Jetzt wird’s um den Barrage-Platz ganz eng. Weil GC beim FC Aarau nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus kommt, gleichzeitig aber Konkurrent Vaduz einen Dreier holt, müssen die Grasshoppers am Sonntag gegen Winterthur deutlich gewinnen und hoffen, dass die Liechtensteiner in Kriens als Verlierer vom Platz gehen.

So kurz vor dem 1. August wäre eigentlich eine Recherche, was es alles für Lampions auf dem Markt gibt, angebrachter. Auf Grund der delikaten Ausgangslage in der Tabelle geht der Chronist nun aber auf Suche, welch verschiedene Strohhalme in den Dekorationsgeschäften herumliegen. Für Geburtstage werden einem hellrosa Stengel, wie auch metallische Stripes schmackhaft gemacht. Für Partyhengste sind funkelnde Glitzerfontänen im Angebot. Strandliebhaber werden Hawaii Hibiskus oder Tropical Beach Halme empfohlen. Träumer könnten sich Cinderellas Märchennacht Flexi beschaffen. Und damit kommen wir unserem gesuchten Strohhalm schon näher.

GC braucht für Sonntag auf jeden Fall dringend einen Strohhalm und hat ihn auch. Man muss dabei kein Träumer sein, aber es wäre ein kleiner Traum, um nicht zu sagen, ein Märchen, sollte dieser Strohhalm greifen. Dieser Strohhalm ist in grünweiss und heisst auf dem Markt Sportclub Kriens. Wie ist’s aber an diesem Donnerstagabend soweit gekommen, dass der geneigte Leser dieses Berichts zum wahren Strohhalm-Fachmann mutiert? Wir rollen den Geschehnisse auf:

18 Meter bis zur Glückseligkeit! 18 Meter…Oliver Buff… Mit rechts, Innenrist… Schaaade, Oli bleibt an der Sechsmann-Mauer hängen. Dieser Freistossball ist nach lediglich drei Spielminuten die erste gute Möglichkeit zur Führung für GC. Auch danach setzen die Grasshoppers mehrheitlich Akzente, es ist ein ansehnlicher Matchbeginn von Blauweiss. Diesen erfreulichen Start zerstören sich die Zürcher allerdings nach zwölf Minuten mit einem fürchterlichen Fehlpass im Mittelfeld. Dieses Misszuspiel, unbedrängt und direkt in die Füsse des Gegners, ist ein Horror und hat direkt den Gegentreffer zum 0:1 zur Folge. Liridon Balaj verwertet dieses Geschenk.

GC bleibt trotz des Rückschlags aktiv. Die Aarauer, schon defensiv in die Partie gestartet, versammeln sich bei Ballbesitz der Grasshoppers noch tiefer in der eigenen Platzhälfte und lauern auf Konter. Und genau so einer wird den Heugümpern fast zum Verhängnis. Yvan Alounge knallt das Leder an den Pfosten und den darauffolgenden «zweiten» Ball wehrt GC-Goalie Mirko Salvi brillant ab. Auch nach einer gespielten halben Stunde benötigt der Grasshopper Club Zürich einen reflexartig reagierenden Schlussmann auf den Schuss von Heisssporn Elsad Zverotic, der aus zehn Metern abdrücken kann.

Es ist eine unterhaltsame Partie im Brügglifeld, die mit einer 1:0-Führung für die Rüebliländer in die Pause geht. Die Grasshoppers ihrerseits haben neben dem Freistossball zu Spielbeginn im Verlauf der ersten 45 Minuten drei 100-prozentige Torchancen. Zwei davon vergibt Giotto Morandi. Bei der ersten Aktion setzt er einen Rückpass aus neun Metern Distanz neben das Aarauer Gehäuse und bei der zweiten Szene schiesst der Tessiner den FCA-Keeper Ammeter aus drei Metern Entfernung an. Die dritte Aktion versemmelt Mychell Chagas aus nächster Nähe zum Tor.

Mit gleich drei Wechseln versucht Trainer Zoltan Kadar dem Spiel der Grasshoppers mit Beginn der zweiten Spielhälfte zusätzliche Impulse zu verleihen. Zé Turbo ersetzt Nassim Ben Khalifa hinter der Spitze, Allen Njie kommt für Oliver Buff in der Zentrale und Elias Mesonero übernimmt den Platz von Nando Pijnaker in der Abwehr. Die erste Gelegenheit gehört allerdings Petar Pusic, dessen Schlenzer knapp am Tor vorbei zischt.

Genau nach einer Stunde klatscht ein zweites Fallbeil über GC runter. Eine eigentlich harmlose Flanke von François Affolter führt zu einem fürchterlichen Absprachefehler in der Verteidigung und Liridon Balaj kann abermals erben. Für die Grasshoppers, nun schwer im Hintertreffen und vor allem auch, weil der FC Vaduz als direkter Konkurrent um den Barrageplatz gegen Schaffhausen den 0:1-Rückstand in einen 3:1-Vorsprung verwandelt hat, ist die Situation mehr als misslich.

Mychell Chagas bringt in der Schlussphase die Hoffnung ins Zürcher Lager zurück. Innerhalb einer Viertelstunde gleicht der Brasilianer aus. Zuerst verwertet er eine feine Einzelleistung und dann versenkt Mister Penalty in seiner Spezialdisziplin einen Strafstoss. Zehn Minuten bleiben zu diesem Zeitpunkt noch und GC wirft alles nach vorne. Mit Ablauf der regulären Spielzeit fällt Jérôme Thiesson Fabio Fehr so glasklar, so dass es eines der grösseren Geheimnisse der Fussballgeschichte bleibt, warum die Aktion nicht als weiteren Elfmeter geahndet wird.

90+4 Minuten. Schluss. 2:2. GC verschenkt erneut Punkte. Neben zwei fürchterlichen Eigenfehlern, die zu den Gegentoren führen, müssen die Hoppers auch sonst einem spielerisch bescheidenen Gegner zu viele Torchancen zugestehen. Goalie Mirko Salvi zeigt eine überragende Leistung und verdient sich ein ganz dickes Kompliment für die Leistung an diesem Abend. Wiederum beweist der Grasshopper Club Zürich viel Moral und hält sich die Hoffnung auf Platz 2 aufrecht.

Aber eben, die Hoffnung ist stark mit dem Strohhalm SCK verbunden. Der Krienser Strohhalm muss greifen, darf nicht ansatzweise einknicken. Und dazu haben die Grasshoppers gegen Winterthur ihre Aufgabe auch resultatmässig mit mindestens drei Toren Differenz zu erledigen. Nun gut, alle Rechenspiele bringen vorerst nichts. Schon die Suche nach einem Strohhalm war anstrengend genug. Lassen wir es mal Sonntag werden und dann schauen wir, was herauskommt.

Hopp GC!