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Challenge League 2019/2020
Fr 24.07.20, 18:15 Uhr | Stadion Kleinfeld, Kriens

4 : 4
(2:3)

MON DIEU, GC

Wie gewonnen, so zerronnen. 3:0 in Kriens geführt, zum Schluss mit einem 4:4 vom Platz gezottelt: Der Grasshopper Club Zürich lässt auf dem Kleinfeld Punkte liegen. Heimlicher Star des Abends ist einer, von dem nur dessen Stimme bekannt ist.

Die erste Chance der Partie gehört den Gastgebern. Der Krienser mit dem grössten Zungenbrecher-Namen auf dem Platz, Bahadir Yesilcayir, prüft GC-Goalie Mirko Salvi mit einem scharfen Schuss von links. In der Szene darauf erkämpft sich GC’s einzige wahre Sturmspitze, Zé Turbo, in der eigenen Platzhälfte den Ball, überlasst ihn Yannick Scheidegger und der unmittelbar weiter auf Robin Kalem. Der eben erst 18-jährig gewordene Junghopper erkennt die Chance sofort und laciert mit einem perfekt getimten Pass Nassim Ben Khalifa. Und NBK? Der GC-Toptorschütze wird seinem Ruf einmal mehr gerecht und schiebt den Ball am herausstürzenden SCK-Schlussmann Brügger überlegt vorbei. Führung, GC! 1:0!

Keine zehn Minuten später eine skurrile Durchsage: «Liebi Zuschauer, es esch naneg verbii», meint der Stadionspeaker und äussert damit wohl mehr seine Verzweiflung als dass er Hoffnung verbreitet. Was ist passiert? Randy Schneider erfightet sich auf gegnerischer Strafraumhöhe die Kugel und laciert unsere Nummer 13. Und die markiert das 2:0! Nassim Ben Khalifa Doppeltorschütze für den Grasshopper Club Zürich. Es sind gerade mal 14 Minuten gespielt und in der Stimme des bedauernswerten Stadionsprechers schwingt Unbehagen mit, was «seinem» SC Kriens noch wiederfahren könnte.

Was dem guten Mann im Kabäuschen graut, wird wahr. Zwei Zeigerumdrehungen später gibt’s eine Goalproduktion Marke «Aussenverteidiger. Links-Mann Andreas Wittwer flankt auf Rechts-Mann Fabio Fehr, der scheitert zwar mit seinem ersten Abschlussversuch, schliesst dann aber mit einem Absatzkick zum 3:0 ab! GC nach 16 Minuten mit Drei zu Null vorne – Ob Freund oder Feind auf der Tribüne, alle reiben sich zünftig die Augen. Die Grünweissen verzeichnen keinerlei Zugriff aufs Spiel, GC hat die Partie komplett unter Kontrolle. Zu diesem Zeitpunkt deutet nichts auf einen spannenden und für neutrale Zuschauer unterhaltsamen Match mehr hin. Rein gar nichts.

Verrückt: Da führt GC so klar, soooooo klar und dennoch bekommt dieses Spiel am Fusse des Pilatus nochmals ein völlig neues Drehbuch. Autor der Geschichte: Grasshopper Club Zürich. Titel der Story: Wie baue ich den Gegner auf? Wir blättern das Buch Seite um Seite und überall steht das Gleiche: Mit fehlerhaften Zuspielen, jeweils direkt in die Füsse des Gegners. Die Grasshoppers verlieren mehr und mehr die Ruhe und die Übersicht und lassen sich zu fest zurückdrängen. Allerdings braucht es einen Freitagabendschuss von Asumah Abubakar, den die Krienser sinnbildlich vom Beatmungsgerät nimmt. Dem Portugiesen wird von den Hoppers im Mittelfeld nur Begleitschutz gewährt und «Abu» bedankt sich für die Freiheiten mit einem Zauberschuss ins Hoheck.

Ab diesem Einschlag werden die Lebensgeister des Mannes am Mikrofon wieder geweckt: «S’Spiel esch naneg verbii», hallt es durchs Kleinfeld. Und, wie recht der Kerli hat. Leider. Fünf Minuten später verwertet Igor Tadic einen Kopfball und nach knapp einer Stunde doppelt der langjährige Super League-Spieler mittels Penalty nach. 3:3. «Was esch denn da los?» Das fragt sich nicht nur der Speaker. Für einmal bringt bei den Zürchern die Pause nicht den nötigen Effekt. Kriens, angetrieben vom lautstarken Publikum, nützt den Schwung und stellt GC vor ernsthafte Probleme. Trainer Kadar reagiert personell, bringt frische Kräfte und forciert die Offensive.

Der Mann mit dem markanten Stimmorgan meldet sich immer mehr zu Wort. «Mer bruched Üüch!» Jetzt ist es ein offener Schlagabtausch und längstens ist es dem Hintersten und Letzten im Kleinfeld klar: Diese Begegnung könnte zum Spiel des Jahres werden. Für die Zuschauer ein super Erlebnis, für Spieler und Trainer ein Graus. Dem Grasshopper Club Zürich scheinen alle Felle davon zu schwimmen, da bekommt GC gerechtfertigt einen Penalty zugesprochen. Natürlich läuft Mychell Chagas an und natürlich verwertet «Mitch» bestialisch gut. Das ist es doch, GC! Jawohl! 4:3.

Nix jawohl. Eine Minute später der Ausgleich. Corner Kriens. Liridon Berisha nickt ein. 4:4. Schon wieder ein Gegentreffer auf einen stehenden Ball. Es ist die alte und ewige Leier. Jetzt ist GC gereizt. Die Mannschaft gibt Gutzi, spielt die letzten 15 Minuten fast pausenlos aufs Krienser Tor. «Mister Mik» spürt, dass seine Farben Probleme bekommen: «Chömed, gäbemer noomal alles!» Beide Teams geben alles. Kriens, mit den Kräften ziemlich am Ende, aber aufopferungsvoll kämpfend und die Grasshoppers mit viel Effort, aber letztendlich zu wenig präzise und fehlender Durchschlagskraft.

Ein verrücktes Match endet 4:4. Noch hat GC das Erreichen des Barrageplatzes in den eigenen Füssen, weitere Ausrutscher mag es aber wahrscheinlich nicht gross leiden. Auch wenn der Abend für GC schliesslich enttäuschend ist, bleibt ein Satz hängen und lässt aufhorchen: «Mir schlönd Vaduz», meint Kriens-Mittelfeldspieler Marco Wiget nach dem Match und schaut damit bereits auf das letzte Heimspiel der Meisterschaft am Sonntag in einer Woche, wo GC’s Konkurrent um Platz 2 auf dem Kleinfeld gastiert.

Auch wenn der Match für das Seelenwohlbefinden jedes GC-Fans nicht förderlich war und die Punkteteilung für den Grasshopper Club Zürich sich wie eine Niederlage anfühlt, bringen immerhin die Erinnerungen an die Sprüche der Krienser Stadionstimme einem - ein ganz klein wenig zumindest - ein Schmunzeln auf die Lippen zurück. Der Mann heisst übrigens Noel Wirth.

Hopp GC!

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