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Challenge League 2019/2020
Di 21.07.20, 20:30 Uhr | Letzigrund, Zürich

5 : 3
(1:2)

NACH 0:2 UND 1:3, 5:3! DUNKLER ALS BLAU KANN EIN GC-AUGE NICHT MEHR SEIN

Kommt das Sommergewitter oder nicht? Angekündigt ist es. Nur, entlädt es sich wirklich über dem Letzigrund oder bleiben die Schleusen über dem Altstetten-Quartier zu und die schwülwarme Luft lässt einen nur schwerlich einschlafen?
Ja. Das Gewitter kommt. Allerdings nicht vom Himmel. Es spielt sich auf dramatische Art auf dem Rasen ab. Und an ein rasches Einschlafen ist nach diesem Match schon gar nicht zu denken…

Was für ein Durchspiel! Dickenman auf Chagas, Chagas zurück auf Dickenman, dieser mit einem Lob über Schaffhausens Qollaku wieder auf Chagas und unsere Nummer 9 steht direkt vor Goalie Heim, jagt dann aber den Ball mit Vollspann weit ins Aus. Die Aktion in der fünften Spielminute ist eine Augenweide – Nur der krönende Abschluss fehlt. Kurz darauf allerdings Schock pur für GC. Der FCS spielt sich über die rechte Abwehrseite der Grasshoppers durch und kann auch als der freie Raum im 16ner immer knapper wird, wie im Training kombinieren. Freistehend aus neun Metern bringt Karim Barry die Gäste in Führung. Über dem Letzigrund legt sich eine unheimliche Stille. Und symbolisch ziehen erste Gewitterwolken auf.

Das Tor lähmt GC. Und zwar komplett, die Grasshoppers, scheinbar paralysiert, finden weder über den Kampf noch über eine gute Aktion ins Spiel hinein. Viele Pässe kommen nicht an, fehlende Abstimmung in den Laufwegen, mutloses Ballgeschiebe und vor allem auch in der Defensive grosse Mängel. Zweimal kann Hoppers-Goalie Mirko Salvi reaktionsschnell parieren, ansonsten wäre der Schaden nach 35 Minuten noch grösser, als der 0:1-Rückstand. Auf einen Distanzschuss aus 25 Metern wehrt dann leider auch Salvi aber unvorteilhaft ab. Auf die Faustabwehr hin, landet der Ball direkt vor Barry, der mittels Flugkopfball seinen zweiten Treffer erzielt. Die Wolken werden gross. Sehr gross.

Es läuft alles auf eine erste Halbzeit hinaus, die aus GC-Sicht mit einem Wort zusammengefasst werden muss: «Fiasko». Die Grasshoppers spielen die schlechtesten 45 Minuten seit Monaten. Der Auftritt ist mit nichts zu erklären. Dass die Spielhälfte wenigstens resultatmässig nicht im Debakel endet, verdanken die Grasshoppers einem ungestümen Zweikampfverhalten eines Schaffhausers, der Nassim Ben Khalifa von den Beinen holt und so GC praktisch mit dem Halbzeitpfiff einen Penalty ermöglicht. Mychell Chagas verwandelt einmal mehr sicher, verschönert das Resultat und bringt damit die Hoffnung bei GC zurück, in Halbzeit 2 nicht nur alles besser zu machen, sondern auch das Match noch zu kehren.

GC spielt leider auch nach dem Pausentee «schludrig» weiter. Nikola Gjorgjev mit einem Schuss an die Lattenunterkante und gleich darauf ein Abschluss von Mychell Chagas, der auf der Torlinie abgewehrt wird, müssten zwingend den Ausgleich bedeuten. Gleich darauf aber dann der nächste Nackenschlag. Die Grasshoppers werden mit einem simplen Pass ausgehebelt und Karim Barry trifft zum Entsetzen von Blauweiss zum 3:1. Das ist wohl das Ende von GC in diesem Match. Sind wir ehrlich: Wohl allen schiesst dieser Gedanke durch den Kopf. Au weia…Können die Hoppers auf diesen erneuten Negativhammer nochmals auf die Beine kommen?

Die Beine haben einen Namen. Morandi. 70. Minute. Giotto Morandi donnert nach einer flüssigen Kombination die Kugel zum Anschlusstreffer ins Tor. Nur noch 2:3! Dann, Anstoss Schaffhausen, Ballverlust, GC übernimmt, startet den Angriff, Giotto Morandi marschiert über rechts nach vorne, Pass, Morandi kommt ran, schiesst, leichter Ablenker, GOOOOOAAL! Drin, der Ball! MORANDI, Ausgleich! 3:3! Jetzt riecht GC den Braten, jetzt winken wieder die drei Punkte, jetzt ist wieder alles möglich – Vorwärts GC!

Es laufen die letzten fünf Minuten. Veroljub Salatic trägt nicht umsonst ne Binde um den Oberarm, Ne Captainsbinde. Seiner Verantwortung bewusst, treibt er das Spiel des Grasshopper Club Zürich immer mehr an und spielt dann einen Magistral-Pass, ab dem er selber erschrickt. Niemand, und nicht einmal er selber weiss, dass er solche Zuckerzuspiele landen kann. Er kann! Salatic schickt Zé Turbo auf die Reise. Und wehe, wenn der Turbo losgelassen wird! ZEEEEE TURBOOOOO! Mit dem Aussenrist schnibbelt er den Ball Schaffhausens Keeper Calvin Heim zwischen den Hosenträgern hindurch rein – GOOOOOOOOOOOOOOOOOOAAAAA,L G C Z Ü R I! Vier zu Drei!

Zum Schluss kontern die Hoppers die Gäste dann noch klassisch aus. Nassim Ben Khalifa legt uneigennützig für Oliver Buff auf. 5:3. Schluss. Aus. Amen. Sieg, GC. Der Grasshopper Club Zürich kommt mit einem dunkel-, dunkel- dunkelblauen Auge davon. Bei aller finalen Freude: Es ist über weite Strecken kein guter Match von unseren Farben. Vieles muss und wird mit Sicherheit auch deutlich in der Nachbearbeitung der Partie angesprochen werden. Irgendwie aber ziehen diese Grasshoppers an diesem verrückten Abend den Kopf nochmals aus der Schlinge. Wie das gelungen ist, weiss wohl, wenn, dann nur Trainer Zoltan Kadar. Seine Pausenansprache schliesst er mit den Worten: «Jungs, ich weiss, dass Ihr nun in der zweiten Halbzeit vier Tore schiessen könnt». Genauso ist’s gekommen.

Hopp GC!