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Challenge League 2019/2020
Mo 27.07.20, 20:30 Uhr | IGP Arena, Wil

3 : 2
(1:0)

NICHT 'MAL EIN "ÄFFCHEN" - GC AM ENDE DES ABENDS OHNE NIX

Die Grasshoppers machen in Wil einen 0:2-Rückstand wett und fahren dennoch ohne Punkte nach Hause. Nach diesem Achterbahn-Abend der Gefühle ist GC im Kampf um den Barrage-Platz in Rücklage.

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit treffen die Grasshoppers in Wil ein. Beim Aussteigen aus dem Car nehmen die GC-Spieler ein lautes Gekreische aus der nahen Nachbarschaft wahr. Es sind die Freudeschreie von Gross und vor allem Klein aus dem direkt neben der IGP Arena anliegenden Freibad. So ein kecker Sprung gleich ins frische Wiler Quellwasser, das zwar wohl noch mit einer Gabelspitze angereichertem Chlor und weiteren Badezusätzen aufbereitet ist, lockt gewaltig und dazu ein aus dem Tiefkühler «gschtibiztes» Erdbeer-Äffchen-Glacé. Dieses würde einen für einen Moment lang glatt in die unbeschwerte Kindheit zurückversetzen. Denn eines ist klar: Für GC dürfte die Partie beim formstarken FC Wil alles andere als zum Kindespiel werden. Die Frage stellt sich eher: Gehen die Grasshoppers unfreiwillig baden oder gibt’s am Ende des bombastischen Hochsommertages noch besser schmeckende Punkte als es die rahmigen Äffchen wären?

Das Match beginnt für GC gleich mit Stufe Herzinfarktrisiko Hoch Fünf. Nach 35 Sekunden laufen zwei Wiler alleine auf Mirko Salvi zu. Das Zuspiel von Bledian Krasiniqi auf den mitgelaufenen Kwadwo Duah ist zum Glück miserabel und so können die Heugümper klären. Von Beginn an entwickelt sich die Begegnung zu einem offenen Schlagabtausch und unterhaltsamen Spiel. Die erste Hoppers-Möglichkeit spielt Nikola Gjorgjev heraus. Sein Querpass setzt Nassim Ben Khalifa nur hauchdünn am linken Pfosten vorbei. Nach zwölf Minuten zeigt der frühere GC-Junior Julian von Moos, dass er noch immer ein «Herz» für Blauweiss hat. Aus sechs Metern Distanz versiebt er eine gigantomanische Torchance. Leider legt er dieses GC-Herz dann noch ab, dazu aber später…

Die Grasshoppers bekommen das Match im Verlauf der ersten Halbzeit immer besser in Griff und in dieser Phase sind sie der Führung mit zwei Lattentreffern auch ausgesprochen nahe. Zuerst landete ein Flanke von Marcin Dickenmann an der Querstange und kurz darauf trifft Veroljub Salatic nur das Gebälk. Den Nachschuss setzt Ben Khalifa über das Tor. GC, weiterhin mit Spielvorteilen, müsste zehn Minuten vor der Pause wohl einen Penalty zugesprochen erhalten. Gjorgjev wird, so scheint’s zumindest, umgesäbelt. Und so kommt’s, wie es halt häufig im Sport kommt. Die Möglichkeiten nicht genutzt oder nicht bekommen und so gelangt der Gegner zu der Aktion, die die Wiler zumindest bis zur Pause in den siebten Himmel manövriert. Andrea Paduna wird auf der linken Seite von zwei Hoppers alles andere als konsequent gestört, worauf der Italiener zu einem Schlenzer in den linken oberen GC-Torecken ansetzt. Erfolgreich. Tja. So ist’s. GC schleicht mit einem 0:1 in die Garderobe.

Geduld ist gefragt, eindeutig Geduld auf Hoppers-Seite für die zweite Spielhälfte. Diese beginnt weniger spektakulär als der Matchauftakt. Zuerst herrscht eine Pattsituation, dann aber, als die Partie etwas am sich vor sich hindösen ist, ein Gewaltspass von Kastrijot Duah auf Kwadwo Duah und der pfeilschnelle Stürmer setzt seinen Schuss in die Maschen, 2:0 Wil. Es ist ein ganz schwerer Moment für den Grasshopper Club Zürich. Trainer Zoltan Kadar reagiert und stellt die Mannschaft um. U21-Spieler Nando Pijnaker kommt zu seinem Debüt, mit der Vorgabe, nicht nur in der Innenverteidigung aufzuräumen, sondern mit seinen 1.91 Meter die Luft im Wiler Strafraum zu durchsägen. Und «Zoli» bringt Mychell Chagas. Was für ein goldenes, mindestens 18-Karathändchen vom GC-Boss an der Seitenlinie. Kurz darauf macht’s «zägedibumm» und «Mitch» hat auf 2:2 gestellt! GC in totaler Ekstase! Buff, Morandi, Buff, Chagas, der Anschluss. Zwei Minuten später: Buff auf Chagas. Der Ausgleich!

GEECEE, GEECEE, GEECEE – Brandet es aus Hunderten Kehlen durchs Wiler Stadion. Die Grasshoppers, von zig Anhängern in die Ostschweiz begleitet und immer wieder sensationell laut angefeuert, sind jetzt ganz nahe dran, den Match endgültig zu kehren. Das Momentum ist komplett auf Hoppers-Seite und die erstmalige Führung für GC liegt förmlich auf dem Serviertablett. Der FCW, in dieser Phase wie in ein angeschlagener Boxer der Ringecke taumelnd, japst nach Luft, aber, bekommt erstaunlicherweise nochmals Luft. In der 84. Minute kann GC-Goalie Mirko Salvi mit einer Parade des Monats eine 1’000-prozentige Chance von Silvo vereiteln. Wenig später aber muss er dennoch die Kugel aus seinem Gehäuse fischen. Julian von Moos profitiert von einem Zögern der GC-Verteidigung. Brutal. Grausam. 2:3.

GC verliert den Match und muss den FC Vaduz im Kampf um den Barrageplatz an sich vorbei ziehen lassen. Bei noch zwei ausstehenden Runden hat GC das Erreichen von Platz 2 nicht mehr in den eigenen Füssen und kann nur noch auf einen Ausrutscher der Liechtensteiner hoffen. Es ist ein ungemein emotionaler Abend in Wil mit einer Partie, die eine wahre Achterbahn der Gefühle für den Grasshopper Club Zürich ist. Keine Punkte im Bergholz und nicht mal ein Äffchen-Glacé. Ein solches wäre wenigstens ein kleiner Trost gewesen.

Hopp GC!