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Challenge League 2019/2020
Di 07.07.20, 20:30 Uhr | Letzigrund, Zürich

4 : 0
(1:0)

GEDULD = GC! 4:0 ÜBER STADE-LAUSANNE-OUCHY

Auch ohne ihre Leitwölfe Salatic und Ben Khalifa sind die Grasshoppers ein Rudel, das zurzeit durch nichts aus dem Gleichgewicht zu bringen ist. GC beweist beim Sieg über den Aufsteiger vom Lac Leman Qualitäten, die gar eine Anpassung in der Sprachwissenschaft verlangt.

Das Wort Geduld bezeichnet die Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen. Als geduldig erweist sich, wer bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben oder diese zeitweilig bewusst zurückzustellen. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten, Leiden oder lästige Situationen mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt. Gegen den FC Stade-Lausanne-Ouchy ist’s von der ersten Spielsekunde an sonnenklar: So wie die Westschweizer auftreten, muss GC gehörig geduldig sein. Gerade, weil die Grasshoppers die Sehnsucht und den Wunsch haben, zu weiteren drei Punkten zu kommen, muss die Mannschaft mit Gelassenheit und Standhaftigkeit gegen die Strafraum-Verbarrikadierer aus Lausanne agieren.

Die Blauweissen sind exzellent auf das Spiel von «SLO» eingestellt und treten mit einer Geduld auf, wie sie per Definition auf dem Rasen nicht besser gespielt werden kann. Die Hoppers lassen den Ball stilsicher in ihren Reihen laufen, zeigen dabei immer wieder gute Kombinationen und strahlen von Beginn an eine Zuversicht aus, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis die grüne Wand geknackt werde. Und so kommt’s auch. Mitte der ersten Halbzeit spielt Randy Schneider bei seinem Debut für die erste Mannschaft einen formidablen Rückpass auf Mychell Chagas, der durch Quentin Gaillard von den Beinen geholt wird – Penalty! Mychell Chagas läuft selber an, verzögert dabei die Schritte und zwingt so den Ouchy-Goalie Barroca zu einer Bewegung. Chagas schnibbelt schliesslich den Ball absolut abgebrüht ins Tor. Führung GC, 1:0!

Wie so viele Spieler unter Trainer Zoltan Kader, blüht auch Mychell Chagas in diesen Wochen enorm auf. Der GC-Brasilianer hat unmittelbar nach seinem erzielten Treffer zwei weitere Glanzszenen, bei der zweiten setzt er gar zu einem spektakulären Fallrückzieher an. Und, es ist Chagas vergönnt, die Partie in der zweiten Halbzeit endgültig zu entscheiden. In der 65. Minute wird der kurz zuvor eingewechselte Fabio Fehr umgesäbelt und Mychell Chagas kann erneut vom Elfmeterpunkt antreten. Dieses Mal visiert er äusserst präzis die linke Ecke an und trifft – 2:0, Grasshoppers! Mit diesem Tor zieht GC dem Gegner den letzten Funken Hoffnung auf einen Punktediebstahl im Letzigrund. Nikola Gjorgjev mit dem 3:0 und Fabio Fehr mittels Augenschmaus-Freistoss zum 4:0 führen die Grasshoppers schliesslich zu einem Kantersieg. Wie Fehr nach seinem Wunderschuss ins hohe Eck à la Speedy Gonzales zu Trainer Kadar sprintet und ihn umarmt, sagt alles über das Verhältnis der Mannschaft zum Boss an der Seitenlinie.

Wenn man bedenkt, dass mit den Gesperrten Veroljub Salatic und Nassim Ben Khalifa der Captain und der Vizecaptain an diesem Prachtssommerabend fehlen, ist die Leistung des Teams umso bemerkenswerter. Jegliche Umstellungen und Veränderungen nimmt die blutjunge Truppe hin, als wäre es das selbstverständlichste auf dem Fussball-Planeten. Schon früh in der zweiten Halbzeit erheben sich die Zuschauer von ihren Sitzen und feiern GC. Es ist ein wahrhaft gefreuter Abend, welcher die Zuversicht beim Grasshopper Club Zürich weiter nährt, ein erfolgreiches Saisonfinale zu spielen.

Die Grasshoppers gewinnen also dieses Geduldspiel und verdienen sich im Zusammenhang mit dem Wort neu einen Eintrag in der Begriffsdefinition. Forscht man sprachwissenschaftlich nach der Entstehung des Wortes, wird man beim urgermanischen Verbalabstraktum «ga-thuldis» fündig. Und da muss nun neu auch «GC» stehen.