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Challenge League 2019/2020
Fr 03.07.20, 18:15 Uhr | Rheinpark, Vaduz

2 : 3
(2:0)

GC-WAHNSINN IM LÄNDLE! «DA WIRST DEPPERT!»

0:2 zur Pause hinten, GC erledigt – So meinen es fast alle. Einzig die Hoppers glauben an die Auferstehung. Und sie passiert. Und wie! Andreas Wittwer ballert den Grasshopper Club Zürich mit einer 25 Meter-Direktabnahme zum Sieg über den FC Vaduz.

Es ist einer der Matches, dessen Ausgang in dieser Form nicht ansatzweise erahnt werden kann. Bildlich gesehen liegen die Grasshoppers zur Halbzeit auf dem Sterbebett. Gut, ein Zucken ist schon da, ein Röcheln auch noch. Aber kann dieser schwer angeschlagene Patient sich echt nochmals erholen und gesunden? Unfassbar, aber es passiert. Nicht mit ärztlichen Kniffen und göttlicher Beihilfe, sondern schlicht durch die perfekten Impulse von Trainer Kadar und GC-Spielern, die unterdessen das Selbstvertrauen und den Glauben verinnerlicht haben, sich aus misslichsten Situationen befreien zu können. Aber alles der Reihe nach.

Zoltan Kader verändert die Mannschaft gegenüber dem siegreichen Match gegen Wil auf fünf Positionen. Andreas Wittwer kehrt auf die linke Aussenbahn zurück. Das zentrale Mittelfeld ist mit Veroljub Salatic und Yannick Scheidegger komplett neu besetzt. In der Offensive kommen Nikola Gjorgiev und Mychell Chagas von Beginn an zum Einsatz.

Der FC Vaduz mischt von der ersten Spielsekunde an mit elf Spielern Beton in der eigenen Platzhälfte. Die Liechtensteiner präsentieren sich ultradefensiv und sind ausschliesslich aufs kontern eingestellt. Ein solcher Gegenstoss führt zur ersten Torchance der Partie. Der frühere Hopper Mohamed Coulibaly prüft GC-Goalie Mirko Salvi mit einem Flachschuss in die linke Ecke. Die Grasshoppers finden kein probates Mittel und kommen während der gesamten ersten Halbzeit zu keinem wirklich gefährlichen Abschluss.

Ein weiter Ball der Vaduzer in den GC-Strafraum ist nach 28 Minuten Ursprung zur Führung für die Hausherren. Die Zürcher irren in der Annahme, der Ball würde die Torverlängerungslinie überschreiten. Nicole Milinceanu köpfelt das Leder von der Grundlinie aus in den Fünfmeterraum. Dort herrscht ein wahres Tohuwabohu und Berkay Sülüngöz stochert zum 1:0.

Der Gegentreffer bringt GC aus dem Tritt. Die Mannschaft produziert viele leichtsinnige Ballverluste und lähmt sie scheinbar, die Zweikämpfe richtig anzunehmen. Captain Veroljub Salatic spielt fünf Minuten vor der Pause einen deutlich zu kurzen Rückpass auf Aleksandar Cvetkovic. «Vero» versucht seinen Faux-Pas wieder gut zu machen, rempelt dabei aber seinen Gegenspieler von hinten so an, dass als Folge ein Freistoss für die Gastgeber resultiert. Tunahan Cicek lässt’s dabei gewaltig krachen und man muss sich um die Handgelenke von Mirko Salvi ernsthafte Sorgen machen. Die Parade gelingt zwar, den «Rebound» aber verwertet Coulibay spektakulär.  

Die Grasshoppers trotten bedient in die Kabine. 0:2. Auch die letzten fünf Minuten, in denen GC etwas aktiver im Spiel drin ist, verbessern den Gesamteindruck nur marginal. Das Team funktioniert als Einheit nicht so wie gewünscht und so nimmt Trainer Kadar für die zweite Spielhälfte gleich drei Veränderungen vor. Vero Salatic kehrt für den ausgewechselten Cvetkovic in die Abwehr zurück, Oliver Buff und Djibril Diani übernehmen die Schaltzentrale im Mittelfeld und Giotto Morandi ersetzt Fabio Fehr.

Und siehe da, die Umstellungen tragen sofort Früchte. Kaum ist die Partie wieder im Gang, findet Buff in der Strafraummitte Mychell Chagas – nur noch 1:2! Es ist der perfekte Zeitpunkt für das Anschlusstor, schliesslich ist noch fast eine gesamte Halbzeit zu absolvieren. GC bleibt engagiert und probiert das angeschlagene Tempo hochzuhalten sowie die aufkeimende Hoffnung auf eine Wende der Partie erfolgreich zu nutzen.

GC bleibt zwar spielbestimmend, die fetten Torchancen sind Mangelware. Mit den Einwechslungen von Marcin Dickenmann und Zé Turbo bringt Zoltan Kadar weiteren Schwung auf den Platz. Die Grasshoppers erhöhen nun mehr und mehr den Druck und die Vaduzer sehnen sich nur noch das Spielende herbei. Es ist nicht nur erstaunlich, sondern wahrhaftig beeindruckend, mit welcher Abgebrühtheit und Ruhe die Mannschaft, trotz Messer am Hals, unterdessen auftritt. Ohne hastig zu sein folgt ein konzentrierter Angriff nach dem anderen und ein solcher führt zum verdienten Ausgleich. Giotto Morandi bricht auf links durch und Nassim Ben Khalifa nickt den Flankenball per Hechtsprung ein. Während die Liechtensteiner nun bedient sind und es im schmucken Rheinparkstadion gespenstig ruhig ist, fliesst durch die GC-Spieler gewaltige Energie. 2:2!

Drei Minuten nach dem Ausgleich reisst Pius Dorn Nikola Gjorgiev, der alleine auf den Vaduz-Kasten zulaufen kann, zurück. Rot. Oliver Buffs Freistossball wird von der FCV-Mauer auf Andreas Wittwer abgelenkt, der direkt abzieht und das Tor nur knapp verfehlt. Es ist die perfekte Aufwärmszene für Wittwer, der 180 Sekunden später zu einem zweiten Hammer ansetzen kann. Wiederum Freistoss. Wiederum Buff in die Mauer. Wiederum Abpraller zu Wittwer. Und…ANDIIIIIIII, BUMMMM! 3:2! Andreas Wittwer katapultiert den Ball mit einer monströsen Volleyabnahme in die Maschen. Irrsinnig! GC gewinnt auswärts beim FC Vaduz 3:2 und kann somit die Liechtensteiner im Kampf um den Barrageplatz auf fünf Punkte distanzieren.

Was steckt hinter dem Sieg? So manches. Trainer Zoltan Kadar hat einmal mehr die perfekte Nase für die richtigen Massnahmen, die die Mannschaft zur Pause benötigt, um sich aus dem tiefen Sumpf zu befreien. Talentmanager Goran Ivelj, der im Trainerstab mithilft, entpuppt sich als Wahrsager der ersten Güteklasse. Ivelj prophezeit dem Chronist beim Gang zur zweiten Halbzeit die GC-Kehrtwende. Goalie Mirko Salvi hält die Grasshoppers zwanzig Minuten vor Schluss mit einer Glanzparade beim Spielstand von 1:2 im Spiel. Die eingewechselten Djibril Diani und Oliver Buff reissen das Zepter an sich und sind in Halbzeit zwei die Generäle im Mittelfeld. Veroljub Salatic räumt zusammen mit Elias Mesonero hinten gehörig auf. Nassim Ben Khalifa bucht sie, obwohl es ihm an diesem Abend nicht sonderlich gut läuft, wieder und belohnt sich für seinen unermüdlichen Einsatz. Und Wittwer? Tja, der Andi… Danke.

Hopp GC!